Unser Projekt „Sprechen von uns, anderen und G*tt“ zeigt, wie Sprache unseren Blick auf unsere Mitmenschen, unseren Glauben und die Gesellschaft prägt. Gemeinsam entwickelten Schüler*innen kreative Projekttage für mehr diskriminierungssensible und feministische religiöse Sprache – von Schüler*innen für Schüler*innen.
Feministische religiöse Sprache – warum?
Evangelische Schulen sind ein vielfältiger Ort. Da wird viel gesprochen – aber wie sprechen wir eigentlich über uns, andere und G*tt? Das Ergebnis einer Fokusgruppe aus drei evangelischen Schulen zeigt: Häufig männlich, zumindest wenn wir über G*tt reden. Und auch wenn wir über uns oder andere reden, sprechen wir häufig in einer ganz bestimmten Sprache, die wir uns angeeignet haben. Aber: Sagen wir damit denn, was wir meinen? Genau damit befasste sich unser Projekt, um gemeinsam mit den Evangelischen Frauen* in der Landeskirche Hannover einen Beitrag zu feministisch-religiöser Bildung zu leisten.
Vom Nachdenken zum Mitgestalten
Die Idee: Ältere Schüler*innen erarbeiten sich Wissen, entwickeln gemeinsam einen abwechslungsreichen Tag und führen diesen mit jüngeren Schüler*innen durch. Die nötigen Basics dafür erarbeiteten Janne Neumann, Projektleitung der ESS EKD und Friederike Goedicke, Referentin der Evangelischen Frauen* in der Landeskirche Hannover in zwei Workshops mit den teilnehmenden Schulen. Am 24./25. Februar am Evangelischen Gymnasium Siegen-Weidenau mit Schüler*innen aus den Leistungskursen Religion der 12. Klassen und am 28./29. April in Berlin mit einer 10. Klasse der Evangelischen Schule Köpenick.
Vielfältig & aktuell – die Inhalte reichten dabei von verschiedenen Ebenen diskriminierungssensiblen Sprechens, biblischer Sprache über Menschen bis hin zu Einblicken in Projektmanagement und -planung. So setzten sich die Schüler*innen zum Beispiel mit Ableismus, Sexismus, Queerfeindlichkeit und verschiedenen Gottesnamen auseinander.
Wütend, klug, unbequem – ein Literaturcafé entsteht
Ziel der Workshops war es, die Schüler*innen zu befähigen, eigene Projekttage für andere Schüler*innen ihrer jeweiligen Schule zu entwickeln. Mit großem Erfolg: Am Evangelischen Gymnasium Siegen-Weidenau entstand ein feministisches Literaturcafé für die Oberstufe, das am 19. Juni im Café Noir in der Siegener Oberstadt seine Premiere feierte. Welche Rolle spielen Wut, Solidarität, gesellschaftliche Machtverhältnisse oder Geschlechtergerechtigkeit in unserer Sprache? Und was hat das mit unserem (schulischen) Alltag zu tun? Das Lesecafé brachte wichtige, aber auch unbequeme und kontrovers diskutierte Fragen auf den Tisch. Aber nicht nur das gemeinsame Lesen stand im Vordergrund – das Literaturcafé bot den Schüler*innen Raum, aktuelle gesellschaftliche Themen aufzugreifen und reflektiert einzubringen.
„Besonders bereichernd war dabei die Atmosphäre des Nachmittags. Außerhalb unseres schulischen Raums entstand ein Raum für respektvolle Gespräche, unterschiedliche Perspektiven und konstruktiven Austausch“, erzählen die Organisatorinnen Lya und Mia.
Sprache neu gedacht
An der Evangelischen Schule Köpenick mündete unser Projekt „Sprechen von uns, anderen und G*tt“ in einen Thementag Sprache. Mit viel Engagement und durchdachter Vorbereitung organisierten die Jugendlichen der Klasse 10c Outdoor-Workshops für ihre Mitschüler*innen aus den 5. und 6. Klassen. Was evangelische Schulen neben vielen anderen Alleinstellungsmerkmalen besonders macht, ist ihr evangelisches Profil. Ein ausgesprochenes Kommunikationsthema – aber wie kann Sprache an unserer evangelischen Schule gelingen? Dieser und anderen Fragen gingen die Schüler*innen in vier verschiedenen Workshops nach – vorbereitet, moderiert und reflektiert von Schüler*innen für Schüler*innen.
