Eine große Gruppe von Schülern und Lehrern, die in einem Park steht. Bild: Martin Kirchner

Projekt „Evangelische Erlebbarkeit“ gestartet. Erfolgsversprechender Projektstart vom 30. 9. bis 2. 10. 2026 mit Barcamp und Erlebnispädagogik: Im Bildungs- und Freizeitzentrum Am Koppelsberg in Plön haben sich 77 Schüler*innen und Lehrkräfte weiterführender Evangelischer Schulen aus ganz Deutschland damit beschäftigt, was Evangelische Erlebbarkeit für sie bedeutet – und wie sie im Schulalltag fühlbar werden kann.

Evangelisches in der Schule erleben?

Menschen, die auf einer Rasenfläche vor einem Haus im Kreis stehen. Bild: Martin Kirchner

Schüler*innen und Lehrkräfte aus zehn evangelischen Schulen waren angereist, um gemeinsam herauszuarbeiten, was Evangelische Erlebbarkeit bedeutet.

Die Antwort ist ganz klar: Das passiert in Andachten, in Gottesdiensten. Je häufiger, je regelmäßiger, je verpflichtender sie stattfinden, umso besser. Sie sind das Kernstück evangelischen Erlebens – zumindest auf den ersten Blick. Aber – ist das alles? Auch staatliche Schulen feiern Gottesdienste, zumindest manche. Und: sollte der Gottesdienst- oder Andachtsbesuch für alle Schüler*innen evangelischer Schulen verpflichtend sein, so wie eine Mathe- oder Deutschstunde?

Jaron*, Schüler am Anna Barbara von Stettensches Institut Augsburg:
„Abgesehen von den Gottesdiensten sehe ich nicht so viel Erlebbares an der Schule. Wir sollten etwas verändern und Werte aktiv ins Schulleben einbringen. Dabei finde ich es wichtig, auf die Religion zu verweisen, aber sie nicht in den Vordergrund zu drängen, damit sich auch Menschen anderer Konfessionen einbringen können.“

Das war nur eine kleine Auswahl an Fragen und Diskussionspunkten, die gleich zu Beginn im Barcamp beim Auftakt unseres neuen Projekts „Evangelische Erlebbarkeit“ auftauchte. Rasch füllten sich die Pinnwände der Barcamp-Gruppen mit weiteren Zeichen evangelischer Erlebbarkeit. Etwa: Das Kreuz in den Klassenräumen. Das Schutzkonzept der Schule. Seelsorge. Diakonische Projekte. Ein Prayer’s Space. Die Jahreslosung im Foyer.

Reicht das, um Evangelisches erlebbar zu machen?

Eine kleine Gruppe junger Leute sitzt in einem großen Raum im Kreis und unterhält sich. Bild: Martin Kirchner

Lebhafte Diskussionen und konzentrierte Arbeitsatmosphäre in den Barcamp-Gruppen.

Darüber diskutierten die Gruppen intensiv und leidenschaftlich, manchmal dominiert von den Lehrkräften – die sich aber immer wieder selbst zur Ordnung riefen und ihren Schüler*innen Raum für ihre Argumente einräumten. Ein erster kleiner, aber wichtiger Schritt in Richtung Evangelische Erlebbarkeit. Denn zum Wesen einer evangelischen Schule gehört Zuhören, Zu-Wort-kommen-lassen, auf Augenhöhe und mit viel Begeisterung. So viel Begeisterung und so intensive Gespräche, dass in manchen Gruppen die vorgegebenen Zeiten überzogen wurden. „Wir machen dafür länger Pause, ist gerade so spannend, die Diskussion“, meinte eine Schülerin. Nicht nur sie, ausnahmslos alle Teilnehmenden wirkten hoch motiviert.

Dirk Wilkening, Schulleiter Gymnasium Andreaneum Hildesheim:
„Diakonische Praktika, Andachten und Gottesdienste, Projekttage und Kirchenerkundungen – das haben wir alles. Dennoch fehlt die Erlebbarkeit. Ich möchte gerne von den Schülern erfahren, was sie darunter verstehen und was wir ihnen da in Zukunft anbieten können.“

Ein Lehrer unterhält sich mit zwei Schülern, die einen grünen Papierschnitt in der Hand halten. Bild: Martin Kirchner

Pädagogische Geschäftsführerin der ESS EKD Dr. Ina Döttinger und Dr. Christian Jäcklin, Pädagogischer Referent der Schulstiftung der Evangelischen Landeskirche Württemberg, leiteten das Seminar „Evangelisches Profil: Erlebbarkeit und Erkennbarkeit“.

Dr. Ina Döttinger, Pädagogische Geschäftsführerin der Evangelischen Schulstiftung in der EKD, gehörte auch zum Referent*innen-Team beim Projektauftakt. „Wir sind überzeugt: Evangelische Schule muss immer wieder fragen: „Wie erleben Jugendliche Schule? Sind wir schon der Ort, den Kinder und Jugendliche brauchen, um Gemeinschaft zu erleben und sich angenommen zu fühlen? Und was braucht es, damit wir das werden?“, so Dr. Ina Döttinger. Sie leitete gemeinsam mit Dr. Christian Jäcklin von der Schulstiftung der Evangelischen Landeskirche Württemberg am Nachmittag einen Workshop zum Thema Evangelische Erlebbarkeit. „Wir fordern eine radikale Hinwendung zum Kind, zu den Jugendlichen an unseren Schulen. Vertrauen und radikale Akzeptanz. Das ist für mich evangelisch“, machte pädagogischer Referent Dr. Jäcklin deutlich.

Fühlen und erleben, dass ich gesehen und gehört werde

Lächelnde Frau in einem marineblauen Blazer vor dem Hintergrund von grünem Laub. Bild: Martin Kirchner

Daniela Dugas, Lehrerin am Gymnasium Andreaneum Hildesheim.

Worauf sich die Teilnehmenden einigen konnten: Schüler*innen sollen fühlen und erleben, dass sie gesehen und gehört werden, dass ihr Wort zählt. So wie am Nachmittag beim Workshop Erlebnispädagogik, als eine Gruppe von Schüler*innen und Lehrkräften gemeinsam eine etwas kniffelige Balance-Aufgabe auf Slack-Lines im Wald lösen musste. Da ließen sich die Lehrkräfte auf die Ideen der Schüler*innen ein.

Daniela Dugas, Lehrerin am Gymnasium Andreaneum, Hildesheim:
„Evangelisch hat viel mit Werten zu tun – und mit Wertschätzung. Da haben wir als evangelische Schulen Potenzial, das müssen wir nutzen, gerade in dieser aufgeladenen Zeit. Es wäre schön, wenn Schüler nach dem Ende ihrer Schulzeit an einer evangelischen Schule sagen könnten: Ich kann nicht genau sagen, was evangelisch ist, aber ich habe es erfahren: Das Gemeinschaftliche, die Wertschätzung, das Gefühl, angenommen zu sein.“

In der nächsten Projektphase gilt es, Projekte zu realisieren. Ideen gibt es schon. Zum Beispiel Mut-mach-Sprüche aus einer Art Kaugummi-Automat zum Mitnehmen. Oder einen Raum der Stille einrichten. Und: Zusammen etwas erleben. Als Gruppe rausfahren, ohne viel Geld, einfach nur in die Nachbarschaft oder einmal mit den Rädern um den Bodensee und dann wieder zurück voller neuer Eindrücke, die man mit der Schulgemeinschaft teilen kann. Erinnerungen schaffen an gute, stärkende Erlebnisse, die noch weiter ins Leben hineinstrahlen – ein wichtiger Aspekt Evangelischer Erlebbarkeit.

Über das Projekt

Vier Menschen balancieren auf blauen Seilen, die zwischen Bäumen in einem Wald gespannt sind. Bild: Martin Kirchner

Gemeinsam geht’s am besten: Beim Workshop Erlebnispädagogik lernten Schüler*innen und Lehrkräfte, wie Teamarbeit und Gemeinschaft funktionieren kann.

Insgesamt läuft das Projekt Evangelische Erlebbarkeit der Evangelischen Schulstiftung in der EKD über zwei Jahre. Die Projektleitung liegt bei Janne Neumann. Nach dem Auftakt erarbeiten die zehn teilnehmenden Schulen je zwei eigene Projekte, die ihr evangelisches Profil für die Schulgemeinschaft und auch drüber hinaus erlebbar machen sollen. Dabei vernetzten sie sich und bilden regionale Arbeitsgruppen, die sich untereinander austauschen. Geplant sind weitere Treffen, sowohl digital als auch analog. Online-Workshops mit Expert*innen ergänzen das Programm.
Nach Abschluss werden die Projektergebnisse im „Werkbuch Evangelisch“, einer digitalen Praxisplattform der EKBO veröffentlicht. Sie dienen als Basis für einen Leitfaden.
Großzügig gefördert wird das über zwei Jahre laufende Projekt von der Barbara-Schadeberg Stiftung.

 

* Name von der Redaktion geändert

Text: Christiane Bertelsmann, Bilder: Martin Kirchner

Werkbuch Evangelisch – Praxisbeispiele für Evanglische Bildungsarbeit

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