Mehr wissen: Evangelische Schulen sollen im digitalen Wandel nicht Getriebene sein, sondern gestaltende Akteure. Deshalb hat die Evangelische Schulstiftung in der EKD das Schulentwicklungsprogramm „AI-Literacy“ gestartet. Wir waren mit dem Projektleiter Tobias Jarzombek-Guth im Gespräch – hier finden Sie die Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Projekt.

Was steckt hinter dem Wort AI-Literacy?

Der englische Begriff „AI*-Literacy“ meint im engeren Sinne die Fähigkeit, schreiben und lesen zu können, das Gelernte zu verstehen und auf andere Felder und Situationen zu übertragen. Im weiteren Sinne geht es um persönliche Weiterentwicklung und Teilhabe. Wer über AI-Literacy verfügt, kann KI in Grundzügen technisch verstehen, reflektieren und ethisch verantwortungsvoll und sinnhaft anwenden. Unser Projekt soll Lehrkräfte befähigen, KI sowohl selbst sinnvoll und verantwortungsbewusst einzusetzen, als auch Schüler*innen Hilfen an die Hand zu geben, damit sie sich in einer digitalisierten Gesellschaft gut und sicher bewegen können.

Was hat KI mit Schule zu tun?

Der Einfluss von KI auf die gesamte Gesellschaft und damit auch auf das Bildungswesen wächst zunehmend. Dem wollen und müssen wir uns stellen – auch aufgrund der seit 1. August 2024 geltenden EU-Rechtsverordnung, die EU AI Act, gemäß der sich Unternehmen und auch Bildungseinrichtungen schrittweise zu einem sorgfältigen und verantwortungsvollen Umgang mit KI-Anwendungen verpflichten müssen.

Warum beschäftigt sich ausgerechnet die Evangelische Schulstiftung in der EKD so intensiv mit dem Thema KI?

Porträt eines Mannes mit dunklen Haaren und Brille vor einer Mauer stehend.

Arbeitet das Evangelische an evangelischer Bildung in einer von KI geprägten Welt heraus: Projektleiter Tobias Jarzombek-Guth.

Evangelische Schulen brauchen Antworten auf die Fragen, was das Evangelische an evangelischer Bildung in einer von KI geprägten Welt ist. Unser Projekt „AI-Literacy für Kollegien an evangelischen Schulen“ will ein protestantisches Bildungsverständnis mit praktischen Kompetenzen im Umgang mit KI verbinden. Freiheit, Verantwortung und ein aktiv bejahendes Miteinander sind typisch evangelisch und gehören zu unserem Verständnis von Bildung. Als Evangelische Schulstiftung greifen wir gesellschaftliche Trends und bildungspolitische Entwicklungen auf und unterstützen deutschlandweit Schulen in evangelischer Trägerschaft bei Transformationsprozessen.

Was erwartet die Teilnehmenden des Schulentwicklungsprogramms?

Das Projekt ist sehr praxisnah und individuell auf das jeweilige Kollegium bezogen. Zwölf ausgewählte Schulen arbeiten in einer Fokusgruppe in einem reflexiven, partizipativen Prozess mit. Dazu gehören Werkstattformate, Vorträge, Mentorings und eine gemeinsame Austauschplattform zur Wissensvermittlung – alles online. Außerdem können die Teilnehmenden Anwendungsbeispiele erproben, die dann ausgewertet werden. Drei Hochschulprofessor*innen werden die Werkstattformate leiten und ihre Expertise an die Schulen weitergeben. Mit dem Educational Technology Lab des Deutschen Forschungsinstituts für Künstliche Intelligenz haben wir zudem einen sehr starken Partner an der Seite, der uns bei der Umsetzung eines bundesweiten Online-Fortbildungstools unterstützt.

Wird der Einfluss von KI kritisch hinterfragt?

Das ist gerade für uns als evangelische Schulstiftung selbstverständlich. Denn zum Wesen des Protestantismus gehört es seit jeher, vorherrschende Meinungen kritisch zu hinterfragen und Bildung für alle Menschen zugänglich zu machen. Das sehen wir beispielsweise an Luthers Bibelübersetzung – alle Menschen sollten in der Lage sein, die Heilige Schrift zu verstehen und ihre Auslegung kritisch zu reflektieren. Unser christliches Menschenbild fordert uns zudem dazu auf, das Spannungsfeld der Mensch-Maschine-Interaktion zu beleuchten und im Sinne einer inklusiven Schule und Gesellschaft den Menschen in seiner Einzigartigkeit zum Ausgangspunkt unseres pädagogischen Handelns zu machen.

Welches langfristige Ziel verfolgt die Evangelische Schulstiftung in der EKD mit dem Projekt „AI Literacy“?

Langfristig soll ein modular aufgebautes Online-Fortbildungsangebot entstehen, das wir allen evangelischen Schulen bundesweit kostenfrei zur Verfügung stellen. Neben einem gemeinsamen Grundlagenteil planen wir, schulformspezifische Module zu entwickeln – etwa für Grundschulen, Förderschulen, Gymnasien oder berufliche Schulen. Unser Ziel ist, dass Lehrkräfte alle nötigen Kompetenzen erwerben, die sie für den verantwortlichen Umgang mit KI benötigen – und dies ausdrücklich vor dem Hintergrund eines evangelischen Bildungsverständnisses.

Tobias Jarzombek-Guth leitet das Projekt „AI-Literacy für Kollegien an evangelischen Schulen“. Der Pädagoge verantwortet seit mehreren Jahren im Auftrag der Evangelischen Schulstiftung in der EKD Schulentwicklungsprozesse. Er unterstützt Schulen dabei, KI und Digitalisierung hilfreich und strategisch in das Schulleben zu integrieren. Als Sonderschullehrer und Schulleiter an mehreren Schulen liegt ihm insbesondere das Thema Inklusion am Herzen.

https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/ai-act-2285944

https://www.dfki.de/web

 

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