Mit unserem neuen Projekt "Inklusionslots*innen" möchten wir Schüler*innen mit Behinderungs- oder Ausgrenzungserfahrung in die inklusiven Bestrebungen ihrer Schulen aktiv mit einbinden.

Inklusionslots*innen

Startschuss für ein neues Vorhaben im Gesamtprojekt „Inklusion 2020+„: Mit den „Inklusionslots*innen“ möchten wir Schüler*innen in die inklusiven Bestrebungen ihrer Schulen aktiv mit einbinden. Dabei wird die Expertise von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungs- oder Ausgrenzungserfahrung als wichtiger Impulsgeber wahrgenommen. Mehr noch: Schüler*innen mit Handicaps geben ihr Wissen an andere Schüler*innen weiter. Als Inklusionslots*innen sorgen sie so für eine wertvolle Vermittlung von Kompetenzen an jüngere Kinder und eine langfristige und strukturelle Verankerung des inklusiven Selbstverständnisses in ihrer Schule.

Das Projekt

Das Projekt "Inklusionslots*innen" läuft von September 2022 bis Juli 2023, anschließend wird es in den Schulen implementiert.

In den kommenden 9 Monaten arbeiten drei evangelische Schulen an der Zielsetzung und der nachhaltigen Implementierung ihrer Inklusionslots*innen.

Die „Inklusionslots*innen“ sollen Schüler*innen in die inklusiven Vorhaben und die Weiterentwicklung von Schulprogrammen aktiv mit ins Boot holen. Dies geschieht, indem Schüler*innen mit Behinderungserfahrung (oder deren Eltern) als Inklusionsexperten gesehen werden. Sie setzen relevante Impulse und agieren gleichzeitig als Mitgestalter*innen einer inklusiven Schule. Wir möchten mit dem Projekt beispielsweise Situationen schaffen, in der Kinder und Jugendliche mit Behinderungs- oder Ausgrenzungserfahrung ihr Wissen an andere (jüngere) Schüler*innen weitergeben. Sie selbst erleben sich dadurch als wirksam. Gemeinsam entwickeln wir Beteiligungsformen für Schüler*innen bei der Implementierung und Evaluation von inklusiven Entwicklungen auf der Ebene der eigenen Klasse oder Lerngruppe. Und weitergehend bindet das Projekt Schüler*innen mit Beeinträchtigung strukturell in die Organisation ein, z.B. in Steuergruppen, Schulkonferenzen o.ä.

Die teilnehmenden Schulen

Für das Projekt, das wir gemeinsam mit der Schulstiftung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Sachsen durchführen, konnten wir eine evangelische Oberschule und zwei evangelische Gymnasien in Sachsen gewinnen, die alle sehr unterschiedliche Vorhaben, Wünsche und Ziele hinsichtlich ihrer zukünftigen Inklusionslots*innen haben:

Die Evangelische Oberschule Klipphausen möchte durch die Teilnahme an den „Inklusionslots*innen“ überhaupt erst einmal eine inklusive Struktur und ein inklusives Selbstverständnis entwickeln. Hierfür wünscht sich die Schule einen kleinschrittigen Prozess zum Aufbau ihres Vorhabens, z.B. durch den Einsatz einer Steuergruppe „Inklusion“ oder entsprechende Förderpläne. Die Teilnehmenden des Projekts, also Schüler*innen mit Behinderungserfahrung oder deren Eltern, sollen durch ihre Expertise konkret zur Weiterentwicklung und zum Austausch von Lernstrategien für Schüler*innen mit Förderbedarf beitragen.

Eine sehr konkrete Zielsetzung hat das Evangelische Gymnasium Mylau – Futurum Vogtland: Die passgenaue Weiterentwicklung der inklusiven Arbeit in Klasse 5. Hierfür möchte die Schule im Rahmen unseres Projekts alle Schüler*innen durch die Übernahme von spezifischen Aufgaben intensiver in die Schulgemeinschaft einbinden. Zur Unterstützung des Vorhabens wünscht sich das Gymnasium die Einrichtung einer Steuerungsgruppe bestehend aus Kindern und Jugendlichen sowie Erwachsenen.

Am Evangelischen Gymnasium Tharandt steht eine Streitschlichterausbildung im Fokus des Vorhabens. Die Schule möchte soziales Lernen als Voraussetzung für mehr Inklusion in den Mittelpunkt ihres Wirkens rücken. Konflikte werden als Signalgeber verstanden und Schüler*innen mit Förderbedarf sollen aktiv in die Ausbildung und deren Umsetzung im Schulalltag mit eingebunden werden. Die Schule geht davon aus, dass gerade Kinder und Jugendliche, die einen erhöhten Entwicklungsbedarf im emotional-sozialen Bereich haben, ein gutes Gespür für Störungen oder Konflikte und deren Lösungen besitzen. Das Gymnasium möchte seine Schüler*innen in dieser Kompetenz ernst nehmen und stärken.

Die Ziele auf einen Blick

  • Die "Inklusionslots*innen" sollen Schüler*innen in die inklusiven Vorhaben und die Weiterentwicklung von Schulprogrammen aktiv mit ins Boot holen.

    Gerade auf der Schüler*innenebene gibt es noch große Potenziale zur positiven Gestaltung inklusiver Settings.

    Wir wollen die Selbstwirksamkeit bei Schüler*innen mit Behinderungserfahrung erlebbar machen

  • Wir wollen die handelnden Personen zur Reflexion des inklusiven Verständnisses im schulischen Kontext anregen
  • Wir wollen neue Formate der partizipativen Mitwirkung von Kindern und Jugendlichen ermöglichen
  • Wir wollen das inklusive Selbstverständnis langfristig und strukturell in der Schule verankern
  • Wir wollen Inklusion als Teil demokratischen Handelns in den Fokus nehmen

Hintergründe

Das Vorhaben der „Inklusionslots*innen“ ist eine Förderlinie in unserem Gesamtvorhaben „Inklusion 2020+„, das viele wirksame Komponenten wie Stipendien für Hilfsmittel, Netzwerktreffen oder Förderungen von inklusiven Bauvorhaben unter einem Dach vereint. Bis Juli 2023 läuft das Projekt als Kooperation der Evangelischen Schulstiftung in der EKD, der Schulstiftung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens sowie der Schulentwicklungsberaterin Kati Ahl von der Initiative Neues Lernen e.V. als Pilot. Das Projekt wird durch Mittel der EKD und der Barbara-Schadeberg-Stiftung ermöglicht.

Der Inklusionsbegriff, den wir verwenden, ist sehr weit gefasst. Inklusion soll nach unserem christlichen Verständnis die Einbindung aller Menschen bedeuten. Nicht nur die aktive Bemühung um Menschen mit Behinderungs- oder Ausgrenzungserfahrung – aber eben auch. Aus unserer Sicht werden perspektivisch alle „guten“ Schulen immer auch „inklusive Schulen“ sein. Schulen sind Teil gesamtgesellschaftlicher Veränderungsprozesse und gerade für Schulen in evangelischer Trägerschaft verschränken sich an dieser Stelle der innere Anspruch und der äußere Veränderungsdruck.

Inklusion ist zudem ein fundamentaler Wert für eine zukunftsfähige demokratische (Schul-) Kultur. Der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung, Jürgen Dusel, sagt dazu:

„Eine Staatsform, die nicht inklusiv ist, ist keine Demokratie. Demokratie braucht Inklusion, beides gehört unabdingbar zusammen.“

Verlauf und Inhalte

Am 01. und 02. November 2022 haben sich alle Teilnehmenden des Projekts zu einem gemeinsamen Workshop in Meißen getroffen.

Wünsche und Highlights aller Teilnehmenden des Projekts in einem ersten Workshop Anfang November in Meißen.

In den kommenden 9 Monaten arbeiten die drei Schulen in evangelischer Trägerschaft gemeinsam mit der Lenkungsgruppe des Projekts, bestehend aus Tobias Jarzombek-Guth (ESS EKD), Brit Reimann-Bernhardt (Schulstiftung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens) und Kathi Ahl von der Initiative Neues Lernen e.V., an ihren individuellen Inklusionslots*innen. In einem Mix aus regelmäßigen Online- und Präsenztreffen sowie einem gemeinsamen Zusammenkommen mit allen Teilnehmenden im November 2022 in Meißen werden zunächst Visionen und Ziele definiert. Hierbei sollen inklusive Arbeitsstrukturen etabliert und eine Bestandsaufnahme gemacht werden: Was haben wir schon? Was fehlt uns bzw. was stört uns auf unserem Weg? Ein Lösungssteckbrief soll hier Abhilfe schaffen.

Ab dem Frühjahr 2023 fokussiert sich das Projekt dann auf die Zielgruppe und die nachhaltige Implementierung der einzelnen Vorhaben an den drei Schulen. Hierbei wird es um Fragen gehen wie: Wessen Probleme lösen wir mit unserer Idee und wie erlebt der Nutzer/die Nutzerin sie? Wessen Feedback hilft uns bei Problemen weiter oder was lernen wir von anderen evangelischen Schulen? In der Implementierungsphase ab Juli 2023 sollen sich die einzelnen Projekte der Inklusionslots*innen verselbstständigen und zusammen mit der Lenkungsgruppe überprüft und evaluiert werden. Die aktive Einbindung aller relevanten Personengruppen vor Ort sichert die langfristige Umsetzung und Entfaltung der Projekte in der Schule.

Fazit

Das Vorhaben der „Inklusionslots*innen“ verstehen wir als einen wichtigen Baustein einer inklusiven Schulentwicklung. Gerade auf der Schüler*innenebene sehen wir noch ein großes Potenzial zur positiven Gestaltung inklusiver Settings. Wir sind froh, dieses Vorhaben gemeinsam mit der Barbara-Schadeberg-Stiftung umsetzen zu können. Und wir hoffen, durch die drei Schulen aus Sachsen ein gutes Beispiel für weitere evangelische Schulen zu schaffen.