In Kooperation mit dem DisKurLab startet die ESS EKD ein Modellprojekt zu antisemitismuskritischer Bildung mit Schulen.

Mit einer großen dreitägigen Abschlussveranstaltung Ende März ist das Projekt „Antisemitismus begegnen und Verantwortung stärken – Demokratie gestalten an Schulen in evangelischer Trägerschaft“ zu Ende gegangen. Rund 90 Schüler*innen und ihre Lehrkräfte arbeiteten an unserem Kooperationsprojekt mit DiskursLab – Labor für antisemitismus- und rassismuskritische Bildung & Praxis und erzielten tolle Ergebnisse. Ein wichtiges Projekt geht erfolgreich zu Ende und wird nachhaltig in das evangelische und staatliche Schulwesen hineinwirken!

Antijüdischen Bildern auf die Spur kommen

Insgesamt sieben Lehrkräfte, 95 Schüler*innen und vier evangelische Schulen begaben sich auf antisemitische Spurensuche. Das Projekt hatte das Ziel, sich mit aktuellen Erscheinungsformen von Antisemitismus auseinanderzusetzen und den darin christlich geprägten antijüdischen Bildern auf die Spur zu kommen. Insbesondere bezogen auf die Lebenswelt der sozialen Medien sollte die Auseinandersetzung mit christlichen antijüdischen Bildern mit der Zielgruppe von jungen Menschen und Multiplikator*innen durchgeführt werden. Dazu wurden fünf digital verfügbare Bildungsmodule entwickelt und mit Lehrkräften und ihren Schüler*innen erprobt.

Fünf Digitale Bildungsmodule

 

In Kooperation mit dem DisKurLab startet die ESS EKD ein Modellprojekt zu antisemitismuskritischer Bildung mit Schulen.

Insgesamt nahmen 5 Lerngruppen aus Berlin, Brandenburg, Sachsen und Bayern an dem halbjährigen Projekt teil.

DisKursLab entwickelte folgende fünf digitale Bildungsmodule, mit denen die Schüler*innen und Lehrenden innerhalb des Projektes gearbeitet und eigenen Produkte entwickelt haben:

  1. Let’s talk about Antisemitismus (Eine Einführung)
  2. Glaubst du, was du googlest? (Verschwörungserzählungen im Netz und in den sozialen Medien)
  3. Judas reloaded (Kreative Auseinandersetzung mit den biblischen Erzählungen vor der Kreuzigung)
  4. Verrat mir mal: Verrätst du mich? (Die zentrale Figur des Judas als kreatives Comicmodul)
  5. Ich lerne was, was du nicht siehst (Antisemitismus in Schulbüchern)

Die Module sind eine Spurensuche nach der christlichen Signatur des gegenwärtigen Antisemitismus und beschäftigen sich auf vielfältige Weise mit Erscheinungsformen von Antisemitismus, mit Bibelrezeption und der Wirkung christlich geprägter antijüdischer Geschichten und Bilder. Dabei untersuchten die Teilnehmer*innen antisemitische Codes und Motive wie Verrat, Geldgier, Verschwörung in aktuellen Verschwörungserzählungen. Sie schauten sich die Verbreitung dieser Motive im Internet und in den sozialen Medien an und verfolgten ihre christliche Prägung zurück. Ein Beispiel sind Darstellungen der biblischen Judas-Figur.

Ergebnisse

Das Projekt hat Ergebnisse auf verschiedenen Ebenen hervorgebracht. Zunächst sind die fünf Bildungsmodule als Prototypen zur Erprobung in diesem Projekt entwickelt worden. Zunächst nur für die teilnehmenden Lehrkräfte, geplant ist eine Veröffentlichung in 2024 nach einer entsprechenden Überarbeitung.

Während der Abschlussveranstaltung entwickelten die Schüler*innen eigene Projekte und Bildungsmodule, die sie und ihre Lehrer*innen weiter nutzen können, und werden damit selbst zu Multiplikator*innen. So entstanden kreative Produkte wie zwei Instagram-Accounts, die sich auf humorvolle Art und Weise mit der Judas-Figur in der heutigen Zeit oder mit Antisemitismus in der Kunst auseinandersetzen  Auch Kurzfilme und drei Podcast-Ideen wurden von den Jugendlichen in Gruppenarbeiten entwickelt.

Fazit

Die Qualität der entwickelten Materialien ist nach vielen Rückmeldungen sehr hoch. Sie können auch nach Veröffentlichung außerhalb des Projekts für die Bildungsarbeit in schulischen und außerschulischen Kontexten weiter genutzt werden. Die Nachhaltigkeit ist gegeben und wird über die Verbreitung in verschiedenen fachlichen Kontexten wie religionspädagogische Institute oder Schulen in evangelischer Trägerschaft weiter erhöht. Neben dieser deutlichen Zielerreichung sind durch die Evaluation aber weitere notwendige Schritte sichtbar geworden. Für eine breitere Nutzbarkeit braucht es eine Weiterentwicklung der Module. Die Materialien sollten digital verfügbar, methodisch abwechslungsreich und mit jeweils verschiedenen zeitlichen und fachlichen Anwendungsmöglichkeiten nutzbar sein. Genau diese Entwicklung geht nun weiter: Im Frühjahr 2024 werden die Bildungsmodule nach einer Überarbeitung und Weiterentwicklung veröffentlicht. Wir freuen uns jetzt schon auf die Ergebnisse!

Ihre Spende zählt!

Evangelische Schulen sind bunt und vielfältig: Wir begleiten sie mit innovativen Projekten.

Helfen Sie uns dabei und unterstützen Sie das evangelische Schulwesen.